Goldingers Buch

Manchmal passieren einem Geschichten im Leben, von denen man denkt, sie sollten eigentlich nur in Büchern passieren. Andersherum kann dann auch gleich ein Buch aus dem Erlebten werden. So ging es mir mit der Geschichte von Johanna und Goldinger.

Johanna möchte auf keinen Fall so werden wie ihre Eltern, deshalb will sie eine Psychoanalyse machen. Die Suche nach einem Therapeuten kommt ihr vor „wie eine Partnersuche“. Und mit Goldinger, dem erfahrenen, älteren Analytiker, ist es anfangs ein bisschen wie in den Flitterwochen. Sie streiten sich, sie findet ihn toll, sie ärgert sich über ihn, sie bewundert ihn. Für einen Psychoanalytiker redet er ganz schön viel. Sie wünscht sich, seine Lieblingspatientin zu werden. Immerhin kann sie ihm eine interessante Familiengeschichte bieten. Und viele offene Fragen. Wieso benimmt sich ihre Mutter wie eine eisige Schneekönigin? Wieso hat ihr Vater nie aufgehört, zu trinken? Was meinte ihre Großmutter damit, dass ihr Vater ein Buch geerbt hat? Eins weiß Johanna ziemlich sicher: Sie will kein Buch erben. Was für ein Buch könnte das auch schon sein! Ihr reicht schon, dass sie die alten Bücher ihres Vaters erbt. Bestseller, Abenteuerromane, Aufklärungsbücher. Bücher, die von Abenteuern handeln, die ihr Vater nie erlebt hat. Goldinger dagegen begeistert sich für diese Metapher. Das Buch, das von Generation zu Generation weitergereicht wird. Ist das ein gutes oder schlechtes Buch, erzählt es vom Leben oder vom Tod? Johanna findet es entsetzlich, dass alle Menschen sterben. Wenn Goldinger sie doch nur trösten würde! Er findet jedoch, dass sie sich der Realität stellen muss. „Es sind schon Analytiker im Sarg die Treppe herunter getragen worden. Das ist alles schon vorgekommen“, sagt er zu ihr. Johanna soll den Tatsachen ins Auge schauen: Alle Menschen sind sterblich, und alles, wovor Neurotiker sich fürchten, kann tatsächlich eintreffen…

Erschienen im Verlag Königshausen & Neumann

EUR 16,80

ISBN 978-3-8260-4835-7

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